Private Equity-ETFs im Faktencheck: Rendite-Hebel oder Risiko-Falle?
Börsennotiert vs. Privatmarkt: Während ETFs auf den MSCI World zum Standardrepertoire gehören, fristet Private Equity bei Privatanlegern oft ein Nischendasein. Zu Unrecht? Zumindest ist das Thema aktuell medial sehr präsent. Wir wählen heute den direkten Weg und blicken aus der ETF-Perspektive auf das Thema. Wie schlagen sich „Listed Private Equity“-ETFs – also Fonds, die in börsennotierte Beteiligungsgesellschaften investieren – im direkten Vergleich zum breiten Markt?
Private Equity bezeichnet Investitionen in Unternehmen, die nicht an der Börse gelistet sind. Theoretisch lockt Private Equity mit der sogenannten „Illiquiditätsprämie“ – einer Mehrrendite als Ausgleich für die Kapitalbindung – und zusätzlicher Diversifikation, da Anleger Zugriff auf nicht-börsennotierte Firmen erhalten, die in Aktien-ETFs fehlen. Doch die historischen Daten sind mit Vorsicht zu genießen. Kritiker nennen als verzerrenden Faktor z.B. den „Survivorship Bias“: Gescheiterte Fonds verschwinden demnach oft aus den Statistiken, was die Erfolgsbilanz der Branche rückwirkend schönt. Auch an der Frage des tatsächlichen Diversifikationseffekts scheiden sich die Geister. Während Befürworter die Chance auf eine Abkopplung vom klassischen Aktienmarkt hervorheben, warnen Kritiker davor, dass sich Private Equity-Fonds oft im Gleichschritt mit den globalen Börsen bewegen. Statt echter Risikostreuung holt man sich laut der Skeptiker vielmehr eine gehebelte Wette auf dieselben wirtschaftlichen Faktoren ins Depot.
Das makroökonomische Umfeld: Rücken- oder Gegenwind?
Wir vergleichen heute den größten und ältesten ETF für gelistetes Private Equity (IE00B0M62Q58) mit einem klassischen Investment in den MSCI World (IE00B0M62Q58).
Betont werden muss in jedem Fall, dass der betrachtete Zeitraum im oben abgebildeten Chart fast komplett in eine historische Niedrigzinsphase fällt und wir als Startzeitpunkt bewusst das Tief in der Finanzkrise gewählt haben. Private Equity-Strategien arbeiten oft mit einem hohen Fremdkapitalanteil (Leverage), um die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital zu hebeln. In den vergangenen knapp zwei Dekade profitierten Private Equity-Gesellschaften massiv von historisch niedrigen Zinsen. Finanzierungen waren günstig, die Bewertungen der Zielunternehmen stiegen (Discounted Cash Flow). In einem Umfeld höherer Zinsen wird dieses Modell jedoch teurer und anspruchsvoller. Wer sich die historischen Daten ansieht, muss diesen „Zins-Bonus“ der Vergangenheit im Hinterkopf behalten.
Wie kritisch das aktuelle Marktumfeld für Private Equity zurzeit gesehen wird, zeigt ein Blick auf die Jahresbilanz. Mit einem Minus von knapp 11 % seit Januar hinkt der Private Equity-ETF dem breiten Markt – der gut 6 % im Plus liegt – deutlich hinterher.
Der Vergleich: Spezialist gegen Generalist
Zahlt sich die Fokussierung des Spezialisten unter dem Strich nun wirklich aus? Wir lösen uns von der aktuellen Momentaufnahme und prüfen, was die historische Bilanz über dieses ungleiche Paar verrät.
1. Die Langzeit-Bilanz (seit März 2007): Wer direkt zur Auflage des ETFs im März 2007 – also kurz vor der großen Finanzkrise – eingestiegen ist, sieht bis heute folgendes Bild (in Euro gerechnet):
Performance Private Equity-ETF: ca. +230 % (annualisierte Rendite von 6,6%)
Performance MSCI World: ca. +365 % (annualisierte Rendite von 8,6%)
Über den gesamten Zeitraum hinweg hat der breite Markt den Themen-ETF deutlich geschlagen. Das Argument der Überrendite scheint hier auf den ersten Blick zu wackeln.
Wählt man jedoch den Tiefpunkt der Finanzkrise im März 2009 als Startpunkt wie im abgebildeten Chart, zeigt sich die enorme Dynamik, die diese Anlageklasse entfalten kann:
Performance Private Equity-ETF: +1.458 %, das entspricht einer beeindruckenden annualisierten Rendite von knapp 18 %!
Performance MSCI World: +745 %, auch der MSCI World kommt für diesen Betrachtungszeitraum auf beachtliche 13,6 % annualisierte Rendite.
Hier wird der „Hebel-Effekt“ sichtbar: In Aufschwungphasen und unterstützt durch eine historische Niedrigzins-Phase ließ Private Equity den breiten Aktienmarkt weit hinter sich.
Der Preis der Rendite: Risiko
Diese Outperformance in guten Zeiten erkaufen sich Anleger jedoch mit zusätzlicher Volatilität. Die annualisierte Volatilität liegt seit 2009 bei 23,6 % für den Private Equity-ETF, verglichen mit 16,9 % beim MSCI World.
Noch drastischer zeigt sich das Risiko im sogenannten „Maximum Drawdown“ (dem maximalen Verlust von einem Hoch zum Tief). Während der Finanzkrise verlor der MSCI World gut 54 % an Wert. Der Private Equity-ETF hingegen stürzte um über 80 % ab. Ein solcher Einbruch ist psychologisch nur schwer durchzuhalten und zeigt, wie sensibel diese Werte auf wirtschaftliche Schocks reagieren.
Dividenden als Trostpflaster?
Ein interessantes Detail verbirgt sich in den Ausschüttungen. Beteiligungsgesellschaften generieren oft starke Cashflows z.B. durch Exits (Verkäufe von Unternehmen) und schütten hohe Dividenden aus. Auch ein Blick auf das Dividendenwachstum lässt das Herz so manches Dividendenjägers sicher höher schlagen.
Aktuelle Dividendenrendite: Momentan liegt diese bei über 3 %, während der MSCI World auf ca. 1,5 % kommt.
Dividendenwachstum: Seit dem Tief der Finanzkrise kletterten die Ausschüttungen um beachtliche 230 %, während die Ausschüttungen im MSCI World im gleichen Zeitraum „nur” gut 94 % zulegen konnten. Allerdings wird bei Private Equity-Gesellschaften in Krisen tendenziell stärker gekürzt als im breiten Aktienmarkt.
Der Kostenfaktor
Mit einer Gesamtkostenquote (TER) von 0,75 % liegt dieser Spezial-ETF preislich deutlich über dem Niveau klassischer ETFs. Zum Vergleich: Die günstigsten ETFs auf MSCI World sind aktuell bereits ab 0,05 % verfügbar.
Fazit für dein Depot
Der Blick auf die Historie zeigt: Es ist eine Wette auf Konjunktur und niedrige Zinsen. Die beeindruckende Outperformance seit März 2009 belegt, was möglich ist, wenn das Marktumfeld stimmt. Die massiven Verluste während der Finanzkrise (>80 %) zeigen jedoch unmissverständlich das Risiko. Für Dividendenjäger mit starken Nerven bieten sowohl die aktuelle Dividendenrendite als auch das historische Dividendenwachstum spannende Argumente. Wer jedoch Ruhe und stetigen Vermögensaufbau sucht, fährt mit der breiten Streuung des MSCI World stressfreier – und über den vollen Zyklus seit 2007 sogar renditestärker.