Kommt jetzt die Zeit für Stock-Picker? 🎯
Wie wir bereits in unserem Facts & Figures-Beitrag vom 8. Februar beschrieben haben, beobachten wir aktuell eine bemerkenswerte Sektorrotation an den Aktienmärkten. Während die Volatilität auf Indexebene – also beim Blick auf den breiten MSCI ACWI oder MSCI World – trügerisch ruhig bleibt, brodelt es unter der Oberfläche gewaltig. Einzelwerte und spezifische Branchen erleiden teils heftige Kurseinbrüche.
Der Grund für diese Unruhe trägt zwei Buchstaben: KI. Fast täglich werden neue Anwendungen veröffentlicht, die versprechen, ganze Branchen im Handumdrehen zu disruptieren. Das derzeit populärste Narrativ lautet dabei: „KI frisst Software“. Die Angst, dass künstliche Intelligenz (KI) klassische Software-Lösungen obsolet macht, hat in den vergangenen Monaten bei vielen Software-Aktien zu massiven Kursverlusten geführt.
In einem solchen Umfeld häufen sich die Kommentare, dies sei nun „die beste Zeit für Stock-Picker oder Daytrader“. Wir wollen daher heute eine für uns eher ungewohnte These beleuchten: Hat das aktive Management in Zeiten dieser sich täglich ändernden Informationslage tatsächlich wieder eine Daseinsberechtigung? 🔍
Die Renaissance der aktiven Manager? 📊
Tatsächlich liefert eine aktuelle Studie des Analysehauses Scope ein interessantes Bild für das vergangene Jahr 2025. Entgegen dem langfristigen Trend konnten aktive Fondsmanager im Vergleich zur Benchmark relativ gut abschneiden.
Hier sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:
👉 Höhere Outperformance-Quote: Im Jahr 2025 gelang es einem deutlich höheren Prozentsatz aktiver Manager, ihren jeweiligen Vergleichsindex (Benchmark) nach Kosten zu schlagen (29 %), als in den Jahren zuvor (19 % in 2024). Allerdings bleibt der Großteil der aktiven Fonds nach wie vor hinter der jeweiligen Benchmark (siehe Tabelle ☝️)
👉 Chancen in der Nische: Besonders in Segmenten jenseits der großen US-Mega-Caps konnten aktive Fonds ihre vermeintlichen Stärken ausspielen. Wo der Markt weniger effizient scheint, trägt die aktive Einzeltitelauswahl wahrscheinlicher Früchte. Beispiele sind hier Japan oder die Emerging Markets, wo Fondsmanager die besten Ergebnisse erzielen konnten (36,3 % bzw. 35,1 % der aktiven Fonds übertrafen die jeweilige Benchmark)
👉 Vorteil Volatilität: Die starken Verwerfungen zwischen „KI-Gewinnern“ und vermeintlichen „KI-Verlierern“ boten aktiven Managern laut der Studie Spielraum, um durch gezielte Unter- oder Übergewichtungen sowie Market-Timing eine Überrendite zu generieren.
Efficient Market Theory: Gilt sie noch? 🤔
Angesichts der massiven Verluste bei gestandenen Software-Größen könnte man meinen, die Theorie der effizienten Märkte (Efficient Market Theory) sei außer Kraft gesetzt. Die Efficient Market Theory besagt im Kern, dass zu jedem Zeitpunkt alle öffentlich verfügbaren Informationen bereits in den Aktienkursen eingepreist sind.
Aber ist es wirklich rational, dass KI-Anwendungen innerhalb kürzester Zeit die tief in Unternehmen verwurzelte Software von Unternehmen wie SAP oder sogar Microsoft ersetzen? Auf den ersten Blick wirkt das häufig nicht rational. Doch bei genauerer Betrachtung sind die aktuellen Turbulenzen vielmehr eine Bestätigung der Efficient Market Theory.
Die Informationslage rund um die KI ändert sich derzeit schlichtweg in einer Geschwindigkeit, die wir so noch nicht kannten. Was gestern noch als sicheres Geschäftsmodell galt, steht heute durch ein neues Open-Source-Modell unter Druck. Die Efficient Market Theory besagt eben nicht, dass Kurse stabil sein müssen – sie besagt, dass sie sich sofort an neue Fakten anpassen. Wenn sich die Faktenlage täglich verändert, tut es der Kurs eben auch. Dass der Markt dabei im Eifer des Gefechts zu Übertreibungen neigt, gehört zum Wesen der Preisfindung dazu. 🎢
Fazit: Diversifikation als Schutz gegen KI-Disruption
Auch wenn aktive Fondsmanager im Jahr 2025 vergleichsweise gute Ergebnisse erzielen konnten, können wir dennoch festhalten: Die Mehrheit der aktiven Fonds schaffte es auch in diesem vermeintlich „guten“ Jahr nicht, ihre Benchmark zu übertreffen. Zudem bleibt abzuwarten, ob sich dieser Trend aus 2025 auch im Jahr 2026 fortsetzt. Die extremen Bewegungen beispielsweise im Software-Sektor zeigen, wie schnell und unvorhersehbar sich der Markt aktuell verändert.
Fakt bleibt jedenfalls, dass die durch KI ausgelöste Informationsflut derzeit nahezu unmöglich präzise vorherzusagen ist. Was heute noch als sichere Aktie oder sicherer Sektor gilt, kann morgen schon durch ein neues KI-Modell bedroht werden. Wer in diesem Umfeld auf Einzeltitel setzt, braucht neben einer tiefgehenden Analyse und starken Nerven zweifellos auch eine große Portion Glück, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. 🍀
Worauf man sich hingegen definitiv festlegen kann: Eine gute Diversifikation über breit gestreute ETFs hat sich in dieser Marktphase bisher bewährt. In einer Welt, in der KI die Spielregeln täglich neu schreibt, bleibt ein breites Fundament die wohl entspannteste Form des Vermögensaufbaus. Denn so stellst du sicher, auch bei den Gewinnern von morgen investiert zu sein – egal wie sie heißen. 💰