Private Credit: Der Schwarze Schwan am Horizont?
Während die Schlagzeilen rund um den Krieg im Iran und den explodierenden Ölpreis die Medien derzeit dominieren, wollen wir heute den Blick auf ein Thema lenken, das seit einigen Monaten unter der Oberfläche brodelt: Private Credit (auch Private Debt).
Vor gut einem halben Jahr hat dieses Thema mit den Pleiten von First Brands und Tricolor erstmals für echtes Aufsehen gesorgt. Doch was verbirgt sich hinter dieser Anlageklasse, die oft als „Schattenbankwesen“ bezeichnet wird? Und wie groß ist das Risiko einer Kettenreaktion, die am Ende zu ähnlichen Verwerfungen wie in der Finanzkrise 2008 führen könnte? 📉
🔍 Was ist Private Credit?
Einfach erklärt handelt es sich bei Private Credit um Kredite, die nicht von klassischen Banken, sondern von privaten Akteuren (meist institutionellen Anlegern oder sehr vermögenden Privatpersonen) vergeben werden.
Der entscheidende Unterschied zu Private Equity: Während du bei Private Equity zum Miteigentümer eines Unternehmens wirst (Eigenkapital zur Verfügung stellst), agierst du bei Private Credit als dessen Kreditgeber (Fremdkapitalgeber) und profitierst von Zinszahlungen. Laut Bundesbank hat sich dieser Markt unter anderem als Reaktion auf die strengere Bankenregulierung nach 2008 rasant entwickelt. 💸
Doch dieses enorme Wachstum außerhalb der klassischen Kreditvergabe durch Banken birgt neue, systemische Risiken, da die Transparenz geringer ist und Ausfälle das gesamte Finanzsystem infizieren können. Um die Struktur dieses Marktes und seine potenziellen Gefahren besser greifen zu können, müssen wir dabei drei Ebenen unterscheiden:
👉 Business Development Companies (BDCs): Für Privatanleger sind vor allem BDCs wie Ares Capital oder Blue Owl Capital relevant. Sie sind börsennotiert und unterliegen Offenlegungspflichten. Der öffentliche BDC-Markt ist mit ca. 12 Mrd. USD winzig im Vergleich zum restlichen, nicht börsennotierten Private Credit „Schattenmarkt“. Laut Bundesbank hat dieser ein Volumen von ca. 2,5 Billionen USD (2008 lag dieser Wert bei 0,2 Billionen USD). Zum Vergleich: Der globale Aktienmarkt ist mit rund 166 Billionen USD zwar deutlich größer, doch der große Hebel (Leverage) wie im Private Credit-Sektor ist oft der entscheidende Funke für Systemkrisen. 🏭
👉 Alternative Asset Manager: Unternehmen wie KKR, Apollo Global Management oder Blackstone generieren einen wesentlichen Teil ihres Umsatzes im Bereich Private Credit. Dabei managen sie eine Vielzahl von Kreditvehikeln – von institutionellen Private Credit Funds bis hin zu BDCs. So profitieren sie doppelt: Sie skalieren ihr Kreditgeschäft über unterschiedliche Kapitalquellen und vereinnahmen gleichzeitig Management- und Performance-Gebühren von den Anlegern. 💰
👉 Private Credit Funds: sind die Investmentvehikel, die Unternehmen direkt Kapital leihen. Anleger erhalten so Zugang zu hohen, meist variablen Zinsen, tragen aber Risiken wie eine geringe Liquidität und potenziell hohe Ausfallraten der Kreditnehmer.
⚠️ Die Risiken: Warum das Pendel umschlagen könnte
Das Problem bei Private Credit ist nicht die Idee an sich, sondern die mangelnde Regulierung, die Intransparenz und der hohe Hebel (Leverage). In den letzten Jahren floss massenhaft Kapital in diesen Sektor, da die Zinsen niedrig waren und Anleger hohe Renditen erwarteten. Doch nun zeigen sich Risse:
👉 Das „Lender to the Lenders“-Dilemma: Entgegen der Hoffnung, dass Private Credit die Bankbilanzen entlastet, besteht hier oft eine enge Verflechtung. Banken vergeben oft Kredite an die Private Credit Funds selbst, damit diese ihre Deals hebeln (Leverage) können. Kommt es zu massiven Ausfällen auf Fondsebene, landet das Risiko durch die Hintertür doch wieder bei den klassischen Banken. 🔗
👉 Bewertung im Nebel: Da für die vergebenen Kredite keine laufenden Marktpreise existieren, basiert ihre Bewertung weitgehend auf internen Modellen und Einschätzungen der Fondsmanager. Anstelle beobachtbarer Marktdaten bestimmen Annahmen über die zukünftige Entwicklung der Kreditnehmer den bilanziellen Wert. Dies kann zu einer gewissen „Glättung“ der Bewertungen führen: Operative Verschlechterungen bei finanzierten Unternehmen schlagen sich häufig erst zeitverzögert in den Kreditwerten nieder. In einzelnen Fällen wird notleidenden Unternehmen zusätzliches Kapital bereitgestellt, um die Bedienung der Zinsverpflichtungen aufrechtzuerhalten. Dadurch bleiben Ausfälle zunächst verdeckt, während sich Risiken im Portfolio schrittweise aufbauen können. 😶🌫️
👉 Das Zins-Risiko: Private Credit-Verträge nutzen meist variable Zinsen. Was jahrelang ein Rendite-Turbo war, wird jetzt für viele Kreditnehmer zur Existenzbedrohung. Wenn durch steigende Zinsen die Zinslast die Cashflows der Unternehmen übersteigt, droht eine massive Ausfallwelle. 🧨
👉 Illiquidität und Ansteckungsgefahr: Während Anleger in Krisenzeiten schnell an ihr Geld wollen, sind die vergebenen Kredite langfristig gebunden. Um Auszahlungen an private Investoren zu bedienen, greifen die Fonds in solchen Stressphasen häufig auf ihre Kreditlinien bei Banken zurück, wodurch der Anteil an Bankgeldern in den Konstrukten gerade in unsicheren Zeiten ansteigt. Ein panikartiger Rückzug könnte so eine Kettenreaktion auslösen, die über diese engen Verflechtungen das gesamte Finanzsystem unter Druck bringt. ⛓️
💡 Fazit für Anleger
Dass der Kapitalmarkt das Thema mittlerweile sehr kritisch sieht, zeigt ein Blick auf die Kursentwicklung des iShares Listed Private Equity ETF, der nahezu alle börsennotierten Emittenten solcher Private Credit-Vehikel beinhaltet. Dieser hat seit Februar 2025 ca. 30 % an Wert verloren, während der breite Markt (MSCI ACWI) ca. 5 % im plus liegt. Die Investoren flüchten aus Titeln, die stark in diese intransparenten Kreditstrukturen verstrickt sind. Parallel dazu gerieten zuletzt auch die Aktienkurse vieler Banken unter Druck, da der Markt beginnt, die indirekten Risiken aus den Verflechtungen mit dem Private Credit Sektor zunehmend in die Bewertungen einzupreisen. 📊
Ist Private Credit das neue 2008? Man sollte das Thema definitiv im Auge behalten, aber keine voreilige Panik verbreiten. Für sich genommen ist der Sektor im Vergleich zum globalen Aktien- oder Anleihenmarkt und auch zu den Hypotheken zu Zeiten der Finanzkrise 2008 verhältnismäßig klein. Zudem tragen hier in erster Linie die Kapitalgeber das Risiko, sollte es zu größeren Kreditausfällen kommen. Allerdings besteht durchaus eine Gefahr durch Vernetzung zu öffentlichen Krediten. Sollte es beispielsweise zu einer massiven Ausfallwelle bei Software-Unternehmen durch KI-Disruptionen kommen oder die Zinsen durch den Krieg im Iran wieder stärker steigen, könnte Private Credit der Auslöser für eine Kettenreaktion sein, die auch die klassischen Märkte infiziert. ⚠️
Für dein Depot bedeutet das: BDCs und andere stark gehebelte Finanzprodukte sind und bleiben hochriskante Kapitalanlagen. Das Thema Private Credit klingt kompliziert – und das ist es auch. Daher solltest du dich in diesem Zusammenhang an eine zentrale Weisheit von Warren Buffett erinnern: Investiere nur in Unternehmen und Geschäftsmodelle, die du auch wirklich verstehst.