JustETF Logo

Hallo von justETF,

alle Jahre wieder wird von Finanzmedien behauptet, es sei nötig, das Depot urlaubsfit zu machen. Wir schauen uns an, was an diesem Mythos dran ist. Ausserdem in diesem Newsletter:

  1. Market Timing: Das lernen wir aus 50 Jahren Daten
  2. Wertpapierleihe bei ETFs: Chance oder Risiko?
  3. Quantencomputing-ETFs im Check

Wir wünschen dir viel Spass beim Lesen und eine entspannte Urlaubszeit.

Viele Grüsse
Tobias und das justETF-Team

Artikel des Monats

 

Market Timing: Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht

Eine Datenanalyse aus 50 Jahren zeigt: Selbst wer jeden Tiefpunkt am Aktienmarkt exakt trifft, erzielt kaum mehr Rendite als mit einem einfachen monatlichen ETF-Sparplan.

Video des Monats

Video
 

Wertpapierleihe bei ETFs: Chance oder Risiko für Anleger?

Werbung

Postfinance Werbung
 

ETF-Sparplan mit mehr Auswahl

Unser ETF-Sparplanangebot wächst. Entdecken Sie neue Möglichkeiten für regelmässiges Investieren bei PostFinance.

just FActs & Figures

 

Warum du dein Depot nicht urlaubsfit machen musst

Jedes Jahr pünktlich zur Urlaubssaison kommen dieselben gut gemeinten Ratschläge: „Mache dein Depot jetzt urlaubsfit!“ Es wird empfohlen, vor der Abreise Stop-Loss-Marken zu setzen, das Portfolio abzusichern oder sich Benachrichtigungen und Preisalarme aufs Handy schicken zu lassen, falls die Märkte in der Abwesenheit plötzlich auf Talfahrt gehen.

Für dich als langfristigen Buy-and-Hold-Anleger sind diese Tipps allerdings vermutlich eher schädlich als hilfreich. Wenn du dein Geld breit gestreut in ETFs angelegt hast, gibt es keine „Jahreszeiten“, in denen dein Depot plötzlich anders behandelt werden müsste. Weder Weihnachten noch ein Strandurlaub sind Faktoren, die deine Anlagestrategie ändern sollten. Warum das so ist und wieso gerade das Nichtstun die beste Entscheidung für deinen Vermögensaufbau ist, schauen wir uns jetzt genauer an.

Warum Stop-Loss-Orders dich Rendite kosten
Einen Stop-Loss zu setzen, damit das Depot nicht unbemerkt ins Minus rutscht, während man am Strand liegt, um Verluste zu begrenzen und später günstiger einzusteigen, klingt in der Theorie verlockend. Die Praxis sieht jedoch völlig anders aus. Wer aussteigt, verpasst bei einem Marktrückgang häufig die unmittelbar darauf folgende Erholung.

Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht dieses Problem (siehe Grafik 👆). Betrachtet man die Performance eines 10.000-Dollar-Investments in den S&P 500 zwischen Anfang 2006 und Ende 2025, wird das Risiko des „Nicht-Dabeiseins“ offensichtlich. Wer in diesem Zeitraum die zehn besten Tage verpasste, hatte am Ende weniger als die Hälfte des Endvermögens. Wer sogar die 40 besten Tage verpasste, verzeichnete unter dem Strich eine negative Rendite. 

Das Problem beim Ausstoppen ist dabei, dass die besten Handelstage meist relativ kurz auf die schlechtesten folgen. Wer in diesen Momenten aussteigt, verpasst die schnelle Erholung und macht vorübergehende Buchverluste endgültig real.

👉 Sechs der zehn besten Börsentage im S&P 500 fanden innerhalb von nur zwei Wochen nach den zehn schlechtesten Tagen statt. 

👉 Fünf der sechs absolut besten Handelstage ereigneten sich direkt nach den allerschlechtesten Tagen. 

Das Prinzip der „Via Negativa“
Wenn Eingreifen also mit hoher Wahrscheinlichkeit schädlich ist, wie investiert man dann richtig? Die Antwort liefert ein philosophisches Konzept: die „Via Negativa“. Dieser Begriff beschreibt den Ansatz, dass wir Dinge oft nicht dadurch verbessern, dass wir etwas Neues oder Kluges hinzufügen, sondern indem wir das Falsche oder Schädliche rigoros weglassen.

Auf die Geldanlage übertragen heisst das: Du wirst nicht erfolgreich, weil du ständig den perfekten Einstiegszeitpunkt triffst oder das eine geniale Finanzprodukt findest. Du wirst erfolgreich, indem du grosse Fehler konsequent vermeidest. Wenn wir das Konzept der „Via Negativa“ auf diesen Fall anwenden, sollten wir uns beispielsweise von drei Verhaltensweisen verabschieden:

👉 Prognosen: Niemand weiss, wo der Markt in vier Wochen steht. Analysten, Crash-Propheten und Börsen-Gurus verdienen ihr Geld mit Aufmerksamkeit, nicht mit der Richtigkeit ihrer kurzfristigen Vorhersagen. Wer sein Depot für den Urlaub aufgrund einer Prognose umbaut, handelt nicht strategisch, sondern spielt Casino. 

👉 Einzelwertrisiko: Wer sein Depot nicht mit anfälligen Einzelwert-Positionen vollpackt, nimmt sich vor der Abreise jeglichen Handlungsdruck. Ein breit gestreutes Portfolio muss vor oder während des Urlaubs weder kontrolliert noch hektisch umgebaut werden. 

👉 Verlustaversion: Unser Gehirn ist evolutionär darauf programmiert, Verluste etwa doppelt so schmerzhaft wahrzunehmen, wie es sich über Gewinne freut. Diese Verlustaversion führt bei fallenden Kursen unweigerlich zu Panik. Genau deshalb ist der Blick auf die Push-Benachrichtigungen des Brokers so gefährlich.

Bei der erfolgreichen Geldanlage geht es nicht darum, spektakuläre Treffer zu landen, sondern Risiken einzugehen, die systematisch belohnt werden. Und was systematisch belohnt wird, ist das Tragen des allgemeinen Marktrisikos über einen langen Zeitraum in Form eines breit diversifizierten ETF-Portfolios (wie etwa dem MSCI World oder FTSE All-World).

Und Hand aufs Herz: Wie gut sind spontane Depotentscheidungen eigentlich, wenn du gerade entspannt am Strand liegst, dir die Sonne auf den Bauch scheinen lässt und ein eiskaltes Getränk in der Hand hältst? Die Wahrscheinlichkeit, dass eine hastig ins Handy getippte Verkaufsorder unter dem Einfluss von Urlaubslaune, lückenhaftem WLAN und Emotionen deine finanzielle Zukunft rettet, geht gegen null.

Einfach nur nicht dumm sein
Um es in den Worten von Charlie Munger, dem jahrzehntelangen Geschäftspartner von Warren Buffett, auszudrücken:

„It's remarkable how much long-term advantage people like us have gotten by trying to be consistently not stupid, instead of trying to be very intelligent.“
(„Es ist bemerkenswert, wie viel langfristigen Vorteil Leute wie wir dadurch erlangt haben, dass wir versucht haben, durchweg nicht dumm zu sein, anstatt zu versuchen, sehr intelligent zu sein.“)

Sich ein komplexes Sicherungsnetz für die Urlaubszeit auszudenken, Stop-Loss-Limits auszuknobeln und die Märkte in den Ferien genau zu timen – das ist der Versuch, „sehr intelligent“ zu sein. Es funktioniert fast nie.

Einfach stur investiert zu bleiben und die Schwankungen zu akzeptieren – das ist der Weg, „durchweg nicht dumm“ zu sein. Und genau das ist es, was am Ende für den Zinseszins und den langfristigen Vermögensaufbau entscheidend ist.

Das Fazit lautet also: Geniesse deinen wohlverdienten Urlaub! Ein breit aufgestelltes Portfolio benötigt kein kurzfristiges Sicherheitsnetz, keinen doppelten Boden und keine hektischen Anpassungen. Schalte die Push-Nachrichten ab und lass die Märkte machen, was sie wollen. Ein gut diversifiziertes Depot kommt auch ganz wunderbar ohne dich klar.

 

ETF-Guide des Monats

Quantencomputing-ETFs: Welcher ist der beste?
 

Quantencomputing-ETFs: Welcher ist der beste?

Welcher Quantencomputing-ETF ist der beste? Die jährliche Kostenquote, die Wertentwicklung und alle weiteren Infos zu Quantencomputing-ETFs.

Finde den besten Broker für deinen ETF

Wir haben die getesteten Broker nach objektiven Kriterien bewertet – hier findest du die Ergebnisse.

Marktradar

Asset 4W Chart 52W Tief/Hoch in 2026 1 Monat
MSCI World +17,31% +4,40%
MSCI Emerging Markets +26,15% +4,04%
S&P 500 +17,25% +4,00%
SMI +11,96% +1,49%
Gold +3,74% +8,34%
Bitcoin -25,99% +2,14%
Rohstoffe +28,65% +5,20%

Veränderung in % per 13.08.26 in Schweizer Franken, basierend auf dem grössten ETP.

Du findest justETF auch hier: