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Hallo von justETF,

die US-Tech-Unternehmen trieben die grossen Indizes in den vergangenen Jahren von einem Allzeithoch zum nächsten. Doch trotz der starken Renditen wächst bei vielen Anlegern das Unbehagen über dieses Klumpenrisiko. Schliesslich fliessen je nach Welt-Index mittlerweile bis zu 70 Prozent deines Geldes direkt in den US-Aktienmarkt.

In dieser Ausgabe nehmen wir deshalb eine spannende Alternative für dich unter die Lupe: die Gewichtung nach echter globaler Wirtschaftskraft. Wir zeigen dir, was der erste BIP-gewichtete All-World-ETF von Amundi taugt und wie du dein Portfolio künftig ausgewogener aufstellen kannst.

  1. Video der Woche: Geldanlage ab 60
  2. Artikel des Monats: MSCI vs. FTSE - Welcher Index-Anbieter ist der richtige?
  3. just Facts & Figures: Wie gut sind BIP-gewichtete ETFs?

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artikel des monats

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MSCI vs. FTSE: Welcher Index-Anbieter ist der richtige?

MSCI und FTSE gehören zu den grössten Index-Anbietern weltweit. Welche Unterschiede es gibt und warum du die beiden Anbieter nicht miteinander mischen solltest.

 

just Facts & Figures

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Ist die Wirtschaftskraft der bessere Börsenkompass?

Immer wieder kommt das Thema der starken Marktdominanz der US-Unternehmen in den klassischen Weltindizes auf. Auch wir haben dies oft beleuchtet. Je nach Index fliessen 60 bis 70 % des Geldes direkt in den US-Aktienmarkt. Grund dafür ist das etablierte Prinzip der Marktkapitalisierung, bei dem die wertvollsten Unternehmen das höchste Gewicht erhalten. Doch während die US-Tech-Unternehmen die Börsen über Jahre nach oben getrieben haben, wächst bei vielen Anlegern das Unbehagen über diesen US-Klumpen. 

Nun hat Amundi den ersten BIP-gewichteten All-World-ETF auf den europäischen Markt gebracht – Grund genug für uns, dieses Prinzip und die Alternativen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Nach welchen Gewichtungsmethoden lässt sich bei Welt-Indizes überhaupt unterscheiden? Wie funktioniert der Index hinter dem neuen Amundi-ETF konkret? Was verraten die historischen Daten über die Rendite und das Risiko eines BIP-Ansatzes? Und für welche Variante sollte man sich am Ende im eigenen Depot entscheiden?

Blick über den Tellerrand: Wie kann man Indizes noch gewichten?
Die klassische Marktkapitalisierung ist an der Börse keineswegs alternativlos. Immer wieder belegen Studien und Langzeitdaten, dass alternative Gewichtungsmethoden dem reinen Market-Cap-Ansatz historisch überlegen waren. In der jüngeren Vergangenheit – die für heutige ETF-Anleger prägend war – funktionierte die Marktkapitalisierung allerdings meist besser, doch Anlegern steht eine ganze Palette an Alternativen zur Verfügung:

👉 Equal Weight (Gleichgewichtung): Alle im Index enthaltenen Aktien erhalten exakt das gleiche Gewicht, unabhängig von der Unternehmensgrösse.

👉 Factor Investing (Faktor-Gewichtung): Unternehmen werden gezielt nach Merkmalen wie Value, Size, Momentum oder Qualität gewichtet.

👉 Fundamental gewichtet: Die Gewichtung richtet sich nach ökonomischen Kennzahlen wie Umsatz, Cashflow oder Dividenden.

👉 Preisgewichtet: Aktien mit einem absolut höheren Aktienkurs erhalten mehr Gewicht.

👉 BIP-gewichtet (GDP weighted): Die Ländergewichtung richtet sich streng nach der realen Wirtschaftskraft der jeweiligen Nationen.

Der Amundi-ETF und die Index-Mechanik
Der im Mai aufgelegte Amundi FTSE All-World GDP-Weighted UCITS ETF (IE000KCKFHE8) macht das pure BIP-Prinzip erstmals in Form eines einzelnen Welt-ETFs direkt zugänglich. Der zugrundeliegende FTSE All-World GDP-Adjusted Index nutzt dabei ein zweistufiges Verfahren:

1️⃣ Ländergewichtung nach BIP (GDP): Die Gewichtung der einzelnen Länder im Index richtet sich nach ihrem Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt.

2️⃣ Aktienauswahl im Land nach Marktkapitalisierung: Innerhalb der zugeteilten Länderquote werden die einzelnen Unternehmen wiederum nach ihrer Börsenkapitalisierung gewichtet.

Hier lohnt sich eine kurze kritische Einordnung: Ganz an der Marktkapitalisierung kommt man auch mit diesem Index nicht vorbei. Zwar bestimmt die reale Wirtschaftskraft, wie viel Gewicht beispielsweise den USA, China oder Deutschland zusteht. Doch welche einzelnen Konzerne innerhalb der US-amerikanischen oder deutschen Quote gekauft werden, hängt weiterhin vom Börsenwert ab. Nvidia oder Apple bleiben somit die am höchsten gewichteten Aktien im ETF.

Was sagen die historischen Daten?
Analysen und Auswertungen – wie etwa der Blog-Artikel „Aktienportfolio gewichten – Markt­kapitalisierung oder BIP?” von Dr. Gerd Kommer (dessen ETF im Übrigen auch zum Teil nach BIP gewichtet) – beleuchten das Phänomen der BIP-Gewichtung sehr differenziert. Ein Blick auf die langjährigen Performance-Daten zeigt interessante Erkenntnisse.

Über sehr lange historische Zeiträume hinweg hat der BIP-Ansatz gegenüber der klassischen Marktkapitalisierung, bezogen auf den MSCI World, eine minimale Überrendite von 0,2 Prozentpunkten pro Jahr erzielt. Die ökonomische Begründung dahinter: BIP-gewichtete Indizes haben tendenziell eine niedrigere Bewertung (gemessen am KGV oder KBV), da teure Märkte wie aktuell die USA automatisch untergewichtet und günstigere Regionen (wie aktuell Europa oder Schwellenländer) höher gewichtet werden. Diese niedrigere Einstiegsbewertung führt theoretisch zu einer höheren Renditeerwartung.

In der realen Praxis schrumpft dieser Vorteil jedoch zusammen und es gibt gute Argumente, die gegen eine BIP-Gewichtung sprechen:

👉 Transaktionskosten: Das regelmässige Rebalancing zwischen den Ländern erfordert mehr Umschichtungen. Zusammen mit leicht höheren laufenden Gebühren (TER von 0,30 % p.a.) zehren interne Transaktionskosten den historischen Vorsprung auf.

👉 Die jüngere Vergangenheit: In den letzten 10 bis 15 Jahren lag der klassische Market-Cap-Index deutlich vorne. Die historische Rallye der US-Technologiekonzerne belohnte alle Investoren, die den US-Anteil in ihrem Depot ungebremst mitwachsen liessen. Im mittelfristigen Vergleich seit der Jahrtausendwende liegt der Market-Cap-Ansatz ebenfalls leicht vorne. Allerdings hatte der BIP-Ansatz bezogen auf den MSCI ACWI bis zum Corona-Crash tatsächlich die Nase vorn (siehe Chart ☝️).

👉 Politische Risiken: Durch die höhere Gewichtung von Schwellenländern wie China steigt der Anteil von Staaten mit höheren politischen und regulatorischen Unsicherheiten im Depot.

Dennoch lassen sich theoretisch viele Argumente für die BIP-Gewichtung finden:

👉 Keine US-Dominanz: Der US-Anteil schrumpft von ca. 60 bis 70 % im normalen FTSE All-World auf 30 % zusammen. Allgemein neigen BIP-gewichtete Indizes deutlich weniger zur Klumpenbildung auf Länderebene und bieten dadurch eine bessere Risikostreuung. Wie gefährlich eine solche Konzentration sein kann, zeigte sich Ende der 1980er-Jahre an Japan: Damals machte das Land aufgrund einer Spekulationsblase über 40 % des marktkapitalisierten MSCI World aus, bevor der Markt einbrach.  

👉 Höhere Schwellenländer-Gewichtung: Aufstrebende Wirtschaftsnationen erhalten gemäss ihrer realen Wirtschaftsleistung ein deutlich grösseres Gewicht.

👉 Günstigere Bewertung: Das Portfolio weist insgesamt ein niedrigeres KGV auf, da hoch bewertete Märkte automatisch gedrosselt werden.

👉 Antizyklisches Rebalancing: Steigen die Kurse in einer Region extrem stark, werden beim Rebalancing Gewinne mitgenommen und in günstigere Regionen umgeschichtet.

Die wichtige Abgrenzung zum BIP-Wachstum
An dieser Stelle unterliegen viele Anleger einem verbreiteten Irrtum: Sie nehmen an, dass ein starkes Wirtschaftswachstum eines Landes (BIP-Wachstum) automatisch zu einer überlegenen Aktienmarktrendite führen muss.

Auswertungen der Finanzwissenschaft belegen jedoch eindeutig das Gegenteil: Es gibt empirisch keine kurzfristige positive Korrelation zwischen dem Wirtschaftswachstum eines Landes und den Renditen seines Aktienmarktes. Ein Land mit enormen BIP-Zuwächsen (wie China in den vergangenen Dekaden) kann an der Börse enttäuschen, während eine Volkswirtschaft mit verhaltenem Wachstum hervorragende Aktienrenditen liefern kann.

Welches Konzept passt zu deiner Strategie?
In den vergangenen Jahren hat der Marktkapitalisierungsansatz besser funktioniert, in vorherigen Zeiträumen wiederum der BIP-Ansatz. Was in den kommenden zehn oder zwanzig Jahren besser abschneidet, lässt sich nicht seriös vorhersagen.

Wer sich mit dem US-Gewicht im MSCI World, MSCI ACWI oder FTSE All-World unwohl fühlt, bekommt mit dem BIP-ETF von Amundi ein passendes und transparentes Instrument an die Hand. Die historischen Daten zeigen, dass der BIP-Ansatz langfristig minimal besser performte, nach Abzug der Kosten auf Renditeebene aber nicht mehr im Depot angekommen wäre.

Am Ende ist die reine Renditedifferenz aber vielleicht gar nicht der wichtigste Punkt. Wenn du dich mit einer veränderten Ländergewichtung wohler fühlst und dadurch weniger Gefahr läufst, bei Marktturbulenzen kalte Füsse zu bekommen, ist das ein starkes Argument. Denn das Wichtigste für deinen Vermögensaufbau bleibt, dass du deine gewählte Strategie langfristig und diszipliniert durchhältst.

 

Finde den besten Broker für deinen ETF

Wir haben die getesteten Broker nach objektiven Kriterien bewertet – hier findest du die Ergebnisse.

 

Marktradar

Asset 4W Chart 52W Tief/Hoch in 2026 1 Monat
MSCI World +18,46% +2,21%
MSCI Emerging Markets +30,40% +0,83%
S&P 500 +20,25% +4,07%
SMI +6,75% -4,10%
Gold +0,01% -4,07%
Bitcoin -0,86% +8,06%
Rohstoffe +40,58% +3,35%

Veränderung in % per 07.10.26 in Schweizer Franken, basierend auf dem grössten ETP.

 
 
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